Vergleichsbericht Weihnachtsmärkte in Erlangen und Fürth

Historischer Weihnachtsmarkt Erlangen VS. Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt Fürth

Besuch auf dem Markt in Fürth

Wir waren zwei Mal auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Fürth zu Besuch. Beim ersten Mal war es am späten Vormittag als wir die Atmosphäre auf uns wirken ließen. Der zweite Besuch fand am Nachmittag statt, als das Licht des Tages bereits allmählich der Abenddämmerung wich.

Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt Fürth
Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt Fürth

Vorab muss man erwähnen, der Markt ist nicht groß. Er ist großzügig aufgeteilt, sodass sich ausreichend Freiflächen bilden auf denen sich auch größere Menschenmassen noch relativ gut bewegen können. An der Zahl und der Vielfalt der Stände gemessen muss man dennoch sagen, dass dieser Markt noch vieles aufzuholen hat. Der Großteil der Buden widmet sich, wie auf Weihnachtsmärkten, ob historisch oder nicht, üblich dem leiblichen Wohl. Die angebotenen Speisen klangen sehr verlockend, doch erhielt der Ausflug in die Kulinarik gleich zu Beginn ordentliche Dämpfer.

Es war 11.30 Uhr – wohlgemerkt der Markt öffnet um 10.00 Uhr – als der Entschluss gefasst wurde, sich den Magen mit Knoblauchbrot und Rahmchampignons zu füllen. Also frohen Mutes direkt und ohne Umwege den Stand angesteuert, der dieses auf seiner Tafel anpreiste. Als ich dann vor den 3 eifrig arbeitend aussehenden Mitarbeitern stand, die mich erstmal gekonnt ein paar Minuten dumm da stehen ließen, durfte ich schließlich meine Bestellung aufgeben. Und dann traf mich zum ersten Mal an diesem Tag der Schlag. Man habe noch nichts zu Essen und wäre noch bei der Vorbereitung wurde mir gesagt. Ein kurzer Blick auf die Uhr entlockte mir die Gegenfrage, wie lang es denn noch dauern würde. Man entgegnete ein sehr unbefriedigendes „Dauert schon noch“.

Nach dieser tragischen Erfahrung, die ich in dieser Form noch auf keinem Markt erlebt habe, hielt unser kleiner Trupp Kriegsrat. Zwei von uns waren so gar nicht entscheidungsfreudig und diskutierten noch immer über die Wahl des Mittagessens, als unser Dritter im Bunde mit einem kleinen Pappschälchen gefüllt mit Schupfnudeln heran spaziert kam. Oh ja, das duftet herrlich und sieht auch lecker aus. Das könnten wir auch nehmen. Die Frage, was er dafür bezahlt habe, hätten wir besser nicht gestellt. Die Menge entsprach einer Kinderportion, der Preis hätte locker das Dreifache erwarten lassen. Wer sich dieses Mahl einverleibt hat, der hat im Anschluss noch immer Platz für eine über offenem Feuer zubereitete Wildsau.

Die angebotenen Waren auf dem Markt waren, wie bereits erwähnt, nicht sonderlich viele und auch hier muss man sagen, kann man tief in die Geldbörse greifen. Jedoch gebe ich zu, dass es auch Sachen gab, die sichtbar handgefertigt wurden, sauber verarbeitet waren und ihren Preis zumindest im Ansatz rechtfertigten.

Was ganz besonders schade am mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Fürth war, war die fehlende Atmosphäre. Der Platz auf dem der Markt stattfindet hat so gar nichts mittelalterliches an sich. Auch befinden sich umher keine Gebäude o.Ä. die den Besucher zumindest versuchen lassen, das Gefühl des Mittelalters zu erhalten. Sehr großen Anteil an diesem bedeutenden Minuspunkt tragen zum Einen der direkt angrenzende „normale“ Weihnachtsmarkt. Zum Anderen die modernen Container des Marktes, die nicht vollständig durch die Absperrungen und den Sichtschutz versteckt werden.

Die aufgebaute Bühne war nicht groß, doch ist sie für die Gegebenheiten vollkommen ausreichend. Das Programm liest sich gut und abwechslungsreich. Was etwas traurig anzusehen war, weil Kinder davon betroffen, war der Gaukler, der Unterricht im „Hexenbesen fliegen“ gab. Er wirkte des Öfteren nicht überzeugend in seiner Rolle. Viel mehr war im an der Tonlage anzuhören, dass er offenbar gelangweilt war. Ob das daran lag, dass zu diesem Zeitpunkt nicht viele Kinder an seiner Aufführung teilnahmen, oder er einfach nur einen schlechten Tag hatte, ist für uns nicht von Belang. Man darf einen gewissen Grad an Professionalität erwarten und gerade wenn es um Kinder geht, setzen wir die Messlatte noch einen Deut höher.

Der historische Weihnachtsmarkt in Erlangen

Historischer Weihnachtsmarkt Erlangen
Historischer Weihnachtsmarkt Erlangen

Wenn man den historischen Weihnachtsmarkt in Erlangen betrifft, macht er auf den ersten Blick einen sehr kleinen Eindruck. Das ist dem geringen Platzangebot geschuldet, welches dem Markt zur Verfügung steht. An der Anzahl der Stände gemessen ist er in etwa in der gleichen Größenordnung wie sein Fürther Konkurrent.

Wie auch in Fürth besuchten wir den historischen Weihnachtsmarkt zwei Mal. Das erste Mal war am Tag, das andere Mal am Abend. Tagsüber muss man sagen, fühlt man sich selbst auf diesem kleinen Markt etwas verloren. Es finden sich kaum Besucher und eine etwas beklemmend ruhige Atmosphäre macht sich breit. Jedoch muss man hierbei anmerken, dass im Gegensatz zur Nachbarstadt der „Hauptweihnachtsmarkt“ nicht direkt angrenzt und somit auch kein direkter „Durchgangsverkehr“ besteht. Am Abend dafür ist der Markt gut besucht und auch die Atmosphäre ist ausgelassen und lädt zum längeren Verweilen ein. Ein Minuspunkt stellen die Steh- und Sitzplätze dar. In der Mitte des Marktes existieren beheizte Unterstände mit Stehplätzen, die aber schnell voll besetzt sind und schnell das Leben einer Sardine näher bringen. Zwar gibt es auch überdachte Sitzplätze, leider wurden die aber ganz am Rande des Marktgeländes angesiedelt, wodurch man das Markttreiben nicht mehr richtig mitbekommt. Ob es einem gefällt muss man für sich selbst entscheiden. Wir fanden es unschön gelöst.

Im Gegensatz zum Mittelalter Weihnachtsmarkt trägt in Erlangen die alte Kirche ihren Teil zur Atmosphäre bei. Der Markt ist im Halbkreis um das Kirchenschiff herum aufgebaut, wodurch das Gebäude gewollt oder ungewollt direkter Bestandteil wird und das Gefühl wie auch die Authentizität enorm anhebt. Auch die Verteilung der Stände ist hier schöner gestaltet. Zwar sind auch hier überwiegend „Fressbuden“ zu finden, jedoch gibt es bspw. für kleine Gäste Spiele für die Kurzweile. Preislich liegt man bei Speisen und Getränken im selben Segment wie beim Nachbarn, allerdings erhält man Portionen, die den Besucher zumindest kurzzeitig sättigen können.

Das Bühnenprogramm ist auch in Erlangen schön zu lesen. Es gab hieran nichts schwerwiegendes zu beanstanden. Der Unterhaltungswert war auf jeden Fall gegeben. Sehr schön fanden wir, dass sich in diesem Jahr ein Stand auf dem historischen Weihnachtsmarkt befindet, der den Fürthern ebenfalls, auch aus der Vergangenheit, und Freunden von Met wohl bekannt sein dürfte. Die Sprache ist von Beerenweine. Durch deren Gegenwart wird der Markt tatsächlich nochmal aufgewertet und die Hoffnung steht, dass man ihre Waren auch zukünftig wieder hier erstehen darf.

Beerenweine Verkauf in Erlangen
Beerenweine auf dem Historischen Weihnachtsmarkt in Erlangen

Fazit

Im Großen und Ganzen nehmen sich die beiden Märkte in Erlangen und Fürth recht wenig. Wo in Fürth mehr Weitläufigkeit geboten wird, die einfach eine schönere Bewegungsfreiheit garantiert, stimmt dafür in Erlangen die Atmosphäre, welche andernorts völlig verloren geht. Angebot ist beider Orts vorhanden und an sich eigentlich nur eine Frage danach, was man sucht. Der kleine Vorteil und zugleich auch Nachteil in Fürth ist der, dass man problemlos mit einem Schritt vom Mittelalter Weihnachtsmarkt auf den eigentlichen Weihnachtsmarkt wechseln kann, der seine moderne Atmosphäre leider durch fehlende Abgrenzung überträgt. In Erlangen muss man, wenn man des historischen Marktes überdrüssig ist, dann doch erstmal 150m zur Waldweihnacht laufen.

Je nach Geschmack kann man sicherlich beiden Märkten etwas abgewinnen. Doch auch nur dann, wenn man nicht auf der Suche nach großen angebotsträchtigen Märkten ist.

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